Stand-up-Kultur für die Schweiz: Die Comedy-Elite zieht durchs Land

Eine neue Garde Schweizer Komiker bündelt ihre Kräfte: Im Rahmen der Swiss Comedy Tour bringen Stefan Büsser, Jod von Mutzenbecher, Michael Elsener, Bendrit Bajra, Charles Nguela, Guy Landolt und Newcomer Nico Arn ihre Pointen unters Volk und sind sich einig: Mehr Stand-up-Comedy braucht das Land!
Mit dieser Mission standen die sieben Herren vergangenen Montagabend erstmals gemeinsam auf der Bühne des Bernhard Theaters in Zürich. Die Stimmung unter den Zuschauern war ausgelassen und das, obwohl schon bei der Anmoderation von Michael Elsener das Mikrofon kurzerhand ausstieg. Völlig unbeeindruckt von dem Eröffnungspatzer führte der lockige Zuger, der bekannt ist für seine Promi-Parodien, souverän durch den Abend. Elsener kündigte an, man wünsche sich für die Schweiz eine Stand-up-Kultur, wie es sie etwa in den USA oder Deutschland gibt.
Einer, der sich dieses Vorhaben aber wohl etwas zu sehr zu Herzen genommen hat, ist Bendrit Bajra. Den Zürcher kennt man vor allem durch die Facebook-Filmchen, in denen er seine mehr als 200 000 Abonnenten regelmässig mit den Unterschieden zwischen Albanern und Schweizern bespasst. Einige seiner besten Gags waren denjenigen des deutschen Komikers Chris Tall verdächtig ähnlich.
Der Basler Jod von Mutzenbecher war wohl der frechste Komiker des Abends. Gewohnt schelmisch sprach er über seine Erfahrungen mit der Dating-App Tinder, verglich den amerikanischen Wahlkampf mit einer Reality-Show und plädierte gleich für mehr Entertainment im Bundeshaus. Stefan Büsser, SRF3-Radiomoderator und Bachelor-Experte, sicherte sich seine Lacher mit Seitenhieben auf den eigenen Arbeitgeber und die Rosenkavaliere von 3plus. Ganz allgemein gingen die meisten Pointen auf Kosten von Ex-Bachelor Vujo Gavric und Präsidentschaftskandidat Donald Trump. Charles Nguela zumindest, der sich selbst als «optimal Pigmentierten unter eidgenössischen Bleichgesichtern» sieht, will im Falle eines Wahlsiegs des Republikaners aus der Schusslinie verschwinden und zurück in den Kongo.
Newcomer Nico Am hatte es ent sprechend schwer, neben seinen erfahrenen Kollegen zu bestehen. Der Rheinthaler erzählte von groben Ostschweizern und widmete der importierten thailändischen Urlaubsliebe ein Gitarrenständchen. Trotz  Ankündigung stand Guy Landolt nicht auf der Bühne an diesem Abend. Der Ex-Banker fehlte krankheitsbedingt.
Es besteht Aufholbedarf
Die Swiss Comedy Tour scheint sich auf das Credo «ein Mann, ein Mio, zu reduzieren. Ein Mikrofon und ein Hocker vor dem roten Samtvorhang geben das Bühnenbild – auf weitere Requisiten, Tanzeinlagen und Pyrotechnik wird verzichtet. Aus möglichst wenig viel zu machen: Darin liegt ja auch die grosse Kunst des Stand-up. Die Schweizer Comedians sind dabei auf einem guten Weg, auch wenn man noch dazu neigt, sich hinter einem zahmen Humor zu verstecken. Die Angst, jemandem auf die Füsse zu treten, ist noch gross, genauso wie die Hemmungen, aus dem Vollen zu schöpfen. Während im Ausland Frauen wie zum Beispiel Amy Schumer den Männern allmählich den Rang ablaufen und auf ihren Touren riesige Hallen füllen, ist es hierzulande relativ ruhig um die weibliche Komik. Bei der Swiss Comedy Tour sind jedenfalls die Männer unter sich. Einzig Hazel Brugger macht in der Stand-up-Szene von sich reden und feiert zurzeit als «böseste Schweizerin» in Deutschland Erfolge.
Gemäss den Veranstaltern der Firma Hauskrieg handelt es sich allerdings nur noch um eine Frage der Zeit, bis die Damen nachziehen: «Für unsere Mixed Shows, bei denen jeweils Stand-up-Newcomer neben bereits etablierten Comedy-Grössen auftreten, gehen mittlerweile zahlreiche Bewerbungs-Videos von talentierten Frauen ein», sagt Lorenz Hauser.
Vorerst halten weiterhin die Männer die Stellung und stellen sich heute – hoffentlich wieder vollzählig – im Theater Fauteuil dem Basler Publikum.

Jennifer Bosshard, Basler Zeitung, 1. November 2016

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